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 Vielen Dank für Ihr Interesse! "Glaukom" (im Volksmund auch Grüner Star genannt) ist eine Gruppe von Krankheiten des Auges. Sie finden diese Gruppe von Krankheiten in der Internationalen Klassifikation der Diagnosen ICD-10GM unter dem Kapitel H40.-(Glaukom).

Bei der häufigsten Form, dem "primären Offenwinkel-Glaukom", meist auch kurz "Glaukom" genannt, wird der Sehnerv nach und nach geschädigt. Die Krankheit kommt typischerweise unbemerkt und verläuft zumeist schleichend. In der Regel ist die Sehkraft zunächst völlig normal, dann schwindet die Sehkraft typischerweise zunächst am Rand, später auch im Zentrum des Gesichtsfeldes. Der schleichende Verlauf bei zugleich bestehender Gefahr des vollständigen Sehverlustes macht das Glaukom wohl zu einer der gefährlichsten Augenerkrankungen, und die Gefährlichkeit dieser Erkrankung wird von der Bevölkerung üblicherweise stark unterschätzt. Andererseits: Das Glaukom kann - frühzeitig entdeckt - sehr erfolgreich behandelt werden. Deswegen können Sie sich hier informieren. Die Betonung liegt auf: "frühzeitig". Frühzeitig entdecken, frühzeitig behandeln.

Das Glaukom (Volksmund: "Grüner Star") ist eine Gruppe tückischer Krankheiten, weil das Glaukom die Menschen heimlich befällt, ohne dass diese es bemerken können. Die Krankheit schreitet unbehandelt schleichend fort (und bleibt deswegen so häufig dauerhaft unbemerkt): Nach einigen Jahren, wenn der unbehandelte Glaukomkranke am Ende schließlich die Einschränkung des Sehvermögens bemerkt, ist die Schädigung bereits schwergradig, und eine Behandlung kann dann das normale Sehvermögen nicht mehr wieder herstellen. Häufig ist leider eine bleibende Sehbehinderung oder sogar die endgültige Erblindung die Folge fehlender Vorsorge und fehlender Behandlung. Alleine wegen des Glaukoms erblinden in Deutschland jährlich schätzungsweise 1000 bis 1500 Menschen endgültig - ein erheblicher Teil davon unbehandelt oder zu spät erkannt. Etwa 10% bis 15% aller offiziell in der Blindenstatistik erfassten Mitbürger in Deutschland sind am Glaukom erblindet. Man weiß: Viele davon, wenn nicht die überwiegende Mehrzahl, hätten ihr Augenlicht mit frühzeitiger und konsequenter Behandlung nicht einbüßen müssen. Der Augenarzt kann die einzelnen Formes des Glaukoms heute so behandeln, dass der endgültige Verlust der Sehkraft regelmäßig vermeidbar ist, aber dies gelingt nur, wenn die Erkrankung rechtzeitig, d.h. im Frühstadium, entdeckt und dann konsequent behandelt wird. Und daran können und müssen Sie mitarbeiten!

Gehen Sie zur Vorsorge!

Wer am Glaukom erkrankt, merkt nichts davon, trägt aber das Risiko, innerhalb weniger Jahre endgültig sein Augenlicht ganz oder zu wesentlichen Teilen zu verlieren. Durch Früherkennung kann rechtzeitig eine Therapie eingeleitet werden, durch die das Risiko erheblich gemindert wird und die Sehkraft erhalten bleibt.

Praktisch alle erfolgreich behandelten Patienten mit Glaukom waren erst durch die Früherkennung auf ihre Krankheit aufmerksam gemacht worden und hatten selber keine Beschwerden. Wenn Patienten solange warten, bis sie selber Beschwerden durch das Glaukom bemerken, liegt erschreckend oft bereits die Erblindung oder eine irreversible, schwere Sehbehinderung vor.

Deshalb: Wenn Sie noch nicht durch Ihren Augenarzt auf Glaukom (Volksmund: Grüner Star) hin untersucht worden sind, sollten Sie ihn darauf ansprechen. Nur die Früherkennungsuntersuchung beim Augenarzt schafft Klarheit.

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft empfiehlt die vorsorgliche Untersuchung auf Glaukom gemäß der Leitlinie Nr. 15c. Augenärzte richten sich nach dieser Leitlinie.

Das "International Council of Ophthalmology" hat 2016 mit seiner "Guideline" eine Richtlinie veröffentlicht, nach der sich Patienten vom Augenarzt vorsorglich auf Glaukom hin untersuchen lassen sollen.

Allen Kritikern der Vorsorgemedizin ist damit ein klares Zeichen gesetzt worden. Es wäre unverantwortlich, weiterhin den Menschen die Möglichkeit rechtzeitiger Behandlung einer ernsten Erkrankung vorenthalten zu wollen.

Die vorsorgliche Untersuchung auf Glaukom ist harmlos und jederzeit kurzfristig durchführbar. Ihre Augen werden am Mikroskop und mit dem Augenspiegel speziell auf Frühzeichen des Glaukoms hin angesehen. Dabei wird insbesondere der Sehnerv gründlich untersucht ("Sehnervencheck"). Ferner wird der Augeninnendruck gemessen. Weitere Untersuchungen ergänzen die vorstehend genannten. Nur der Augenarzt kann diese Untersuchungen fachgerecht durchführen und die Ergebnisse beurteilen. Die Fahrtauglichkeit wird durch die Untersuchung nicht beeinträchtigt.

Die Glaukomvorsorgeuntersuchung umfasst mehrere Teilschritte. Wenn alle Teile der Untersuchung durchgeführt wurden, kann die Erkrankung im Frühstadium erkannt und der Patient einer rechtzeitigen Behandlung zugeführt werden. Wichtig: Wie auch die Krankenkassen längst erkannt haben, ist die alleinige Augeninnendruckmessung als Vorsorge ungeeignet (!!). Augenärzte in Deutschland beschränken sich daher nicht auf die alleinige Augeninnendruckmessung.

Therapie des Glaukoms

Ein durch das Glaukom bereits entstandener Schaden kann nicht mehr behoben werden, weder durch Medikamente, noch durch Operation. Ziel der Behandlung ist es, das fortschreitende Glaukom zum Stillstand zu bringen. Dazu muss der Augeninnendruck kräftig gesenkt werden. Ferner ist es vorteilhaft, wenn die Durchblutung des Sehnerven gesteigert wird. Der Augenarzt unterscheidet mehrere Unterarten des Glaukoms, die auch etwas unterschiedlich behandelt werden. Allen ist aber gemeinsam, dass eine Augeninnendrucksenkung erforderlich ist, bzw. eine Steigerung des Augeninnendrucks auf erhöhte Werte durch entsprechende Therapie verhindert werden muss.

Die meisten Glaukompatienten werden mit Augentropfen oder mit einer LASER-Therapie (LTP, siehe weiter unten) zur Senkung des Augeninnendrucks behandelt. Erreicht man keine ausreichende Drucksenkung mit einem Medikament, werden mehrere Wirkstoffe kombiniert. Einige Patienten müssen operiert werden, um die erstrebte Drucksenkung zu erzielen. Wichtig: Augendrucksenkende Medikamente müssen zuverlässig regelmäßig und auf Dauer verwendet werden. Ebenfalls wichtig: Jegliche Therapie des Glaukoms, auch die Operation, kann die verlorene Sehkraft nicht wiederherstellen, sondern höchstens weitere Verschlimmerung verhindern. In jeglichem Stadium der Erkankung gilt: Die antiglaukomatöse Therapie soll zukünftige Schäden am Sehnerven bestmöglich verhindern. Die Therapie des Glaukoms ist jedoch äußerst wertvoll, wenn sie frühzeitig erfolgt. Die Entstehung von Schäden des Auges infolge des hohen Augeninnendrucks kann mit Hilfe moderner Behandlung wirksam weitgehend verhindert werden. Das Fortschreiten bereits bestehender Schädigung des Auges kann wirksam weitgehend gestoppt werden. Die Rate des schweren Sehverlustes und der Erblindungen unter den Betroffenen lässt sich dramatisch senken, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und dann konsequent behandelt wird. Nur eines kann auch die moderne Medizin nicht: eine einmal bereits eingetretene Erblindung durch Glaukom kann nicht mehr behoben werden. Gerade deswegen gilt: Je früher die Erkrankung entdeckt und behandelt wird, desto besser.

Die Therapie muss konsequent und auf Dauer erfolgen.
Denn leider bleibt die Neigung zum Glaukom, die Neigung zum erhöhten Augeninnendruck und/oder die Neigung zu fortschreitenden Schäden am Sehnerv typischerweise zeitlebens erhalten. Daher kann die Behandlung nicht beendet werden. Das Glaukom ist eine chronische Krankheit.

Erfolge durch Früherkennung und rechtzeitige Therapie

Eine kürzlich (2012) durch Forscher aus den bundesweit existierenden amtlichen Erblindungsstatistiken erstellte und im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Erhebung ergab, dass der Anteil "Erblindung durch Glaukom" unter den Erblindungsursachen innerhalb der letzten drei Jahrzehnte allmählich absinkt, bei gleichzeitig ansteigender Anzahl erkannter und behandelter Glaukomkranker. Dies ist ein enormer Erfolg, der zu einem erheblichen Anteil auf die konsequente Durchführung der Glaukomfrüherkennung und der frühzeitigen Glaukomtherapie zurückgeht. Weitere wichtige Faktoren sind moderne, verträgliche und wirksame Glaukom-Medikamente und moderne, schonende Operationsverfahren zur Drucksenkung. Der Erfolg geht also auf gemeinsame Anstrengungen zurück.

Auch ich habe in meiner Praxis ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren übernahm ich eine Praxis, in der kaum Glaukomkranke behandelt wurden. Aber ich fand unter den ersten 1800 Personen, die meine Praxis betraten, elf Prozent, die einen verdächtig hohen Augeninnendruck hatten oder am Glaukom erkrankt waren oder bereits eine fortgeschrittene Schädigung durch Glaukom erlitten hatten. Keiner dieser Mitmenschen wußte davon und wurde erst durch die in meiner Praxis erfolgte vorsorgliche Untersuchung entdeckt - und dann natürlich behandelt. Während dieser Zeit suchten mich auch erschreckend oft neue Patienten auf, die aktuell am Glaukom erblindet waren und von Ihrer Erkrankung nichts wußten. Aus heutiger Sicht hingegen muss ich lange zurückdenken, um einen Fall von Erblindung durch Glaukom nennen zu können. Dies liegt daran, dass die FRÜHERKENNUNG heute Standard ist, und es liegt ferner daran, dass heute kaum noch ein Patient nicht von der Früherkennung erfaßt wird. Dies führt dazu, dass jetzt zahlreiche - als glaukomkrank erkannte - Patienten in Dauerbehandlung sind, und deren Glaukom-Erblindung durch Therapie erfolgreich verhindert wird.

Andere Augenärzte berichteten mir, dass sie gleichartige Erfahrungen gemacht haben.

Spezielle Diagnostik des Glaukoms

Zur Feststellung, ob ein Glaukom vorliegt, und zur Kontrolle, ob die angesetzte Behandlung des Glaukoms zu einer ausreichenden Stabilisierung des Sehvermögens bei dem jeweiligen Patienten geführt hat, werden eine Reihe von Untersuchungen benötigt. Jede einzelne dieser Untersuchungen trägt zu der Diagnose ein Stück bei.

Der bekannteste Risikofaktor - aber bei Weitem nicht der einzige - ist der erhöhte Augeninnendruck. Die Augeninnendruckmessung, die mikroskopische Untersuchung des Auges auf Zeichen des Glaukoms und die mikroskopische Kontrolle des Sehnervenkopfes sind erforderlich; sie wurden bereits erwähnt. Eine verbesserte Verlaufskontrolle wird durch die Fotografie des Sehnervenkopfes ermöglicht (wenn Sie Näheres darüber erfahren möchten, klicken Sie links auf "Foto-Verlaufskontrolle"). Die Messung der Hornhautdicke, d.h. die Pachymetrie, ist ein innovatives Verfahren, dass der Einschätzung des Glaukomrisikos dient (zu diesem Thema klicken Sie bitte links auf "Pachymetrie" ). Noch ein wenig aktueller ist die Erkenntnis, dass die Untersuchung der Ganglienzell- und Nervenfaserschichten der Netzhaut sowie des Sehnervenkopfes mit Hilfe des OCT eine frühzeitige Erkennung von Schäden durch das Glaukom ermöglicht (zu diesem Thema klicken Sie bitte links auf "OCT"). Regelmäßig wiederholte OCT-Messungen ermöglichen exakte Verlaufskontrollen. Selbstverständlich werden vom Augenarzt weitere Untersuchungen verwendet, wie die Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie), die Untersuchung des Kammerwinkels mittels Mikroskop (Gonioskopie), usw.

Es wäre aber zu stark vereinfacht, wenn man ausschließlich den erhöhten Augeninnendruck als einzigen Risikofaktor nennt. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass ein "normaler" Augeninnendruck, also ein Meßwert innerhalb statistischer Normgrenzen, zu der Schlußfolgerung berechtigen würde, dass kein Glaukom vorliege. Richtig ist, dass beim Menschen der Augeninnendruck Schwankungen unterliegt, und dass insbesondere Menschen, die zum Glaukom neigen, zeitweise "normale", dann wieder auch erhöhte Augeninnendruckwerte aufweisen können. Und mehr noch: Es gibt auch Patienten, die am Glaukom erkrankt sind, bei denen noch nie ein erhöhter Augeninnendruck-Messwert gefunden wurde. Wir sprechen vom sogenannten "Normaldruck-Glaukom". Gerade deswegen ist es ausdrücklich eine ärztliche Aufgabe, die Frage nach Glaukom, ja oder nein, durch umfassende Untersuchung zu klären.

In der Zeitschrift "Concept", einem Fachmagazin für Augenärztinnen und Augenärzte, Ausgabe 3-2017, schreibt Fr. Dr. med. Vera Schmit-Eilenberger: "Hartnäckig hält sich das Gerücht, ein Augeninnendruck von 21 mm Hg und weniger sei normal und ungefährlich. Das ist belegbar falsch." Richtig ist allerdings, dass wir bisher an weltweit anerkannten Behandlungsmethoden ausschließlich die Augeninnendrucksenkung zur Verfügung stehen haben, und die wirkt nachgewiesenermaßen bei allen Niveaus des Augeninnendrucks, also auch beim "Normaldruck-Glaukom".

Häufig gestellte Fragen zum Glaukom (zum "Grünen Star")

Mein Augeninnendruck ist nie besonders hoch, sondern immer ca. 20 mm Hg. Mein Augenarzt sagt aber, ich soll dennoch ein Glaukom haben. Kann das stimmen?

Antwort: Ja. Es handelt sich wahrscheinlich um ein sogenanntes Normaldruckglaukom. Bei dieser Erkrankung verläuft alles so wie beim Glaukom, jedoch findet man einen Augeninnendruck, der noch im statistischen Normalbereich oder höchstens an der oberen Grenze liegt. Ferner ist folgendes Missverständnis möglich: Wenn Sie bereits mit augeninnendrucksenkenden Augentropfen behandelt werden, dann sollte man bei Ihnen keinen erhöhten Augeninnendruck mehr antreffen, auch wenn vor Behandlungsbeginn der Augeninnendruck einmal erhöht war. Natürlich haben Sie weiterhin das Glaukom, auch wenn Sie bereits erfolgreich behandelt werden und infolge der erfolgreichen Behandlung der Augeninnendruck zur Zeit im Normalbereich liegt.

Mein Augeninnendruck ist immer ca. 20 mm Hg, wie im oben beschriebenen Fall. Mein Augenarzt sagt aber, dass ich dennoch KEIN Glaukom habe. Kann das stimmen?

Antwort: Ja. Ein Normaldruckglaukom, wie oben beschrieben, kann zwar vorkommen, ist jedoch nicht die Regel. Der Augenarzt wird insbesondere bei Augeninnendruckwerten in der Nähe der statistischen oberen Normalbereichsgrenze (also etwa im Bereich 19 bis 24 mm Hg) besonders genau untersuchen, ob ein Glaukom vorliegt oder nicht.

Ich habe zwei Augenärzte konsultiert. Dabei wurden zwei völlig unterschiedliche Augeninnendruckwerte festgestellt. Da muss doch etwas falsch sein!

Nein! Alles richtig! Der Augeninnendruck des Menschen ist typischerweise Schwankungen unterworfen, auch zuweilen starken Schwankungen. Je höher die Schwankungen, desto wahrscheinlicher ist, dass ein Glaukom vorliegt. Auch dies macht das Glaukom so tückisch: "Eine Schwalbe macht keinen Sommer", d.h. ein einzelner guter Augeninnendruckwert stellt nicht sicher, dass der Augeninnendruck immer gut ist.

Muss ich mein Glaukom ein Leben lang behandeln?

Ja, höchstwahrscheinlich. Nur durch die konsequente, langanhaltende Therapie wird das Glaukom gestoppt. Hört man mit der drucksenkenden Therapie auf, wird das Glaukom höchstwahrscheinlich wieder schleichend schlimmer. Dies wird keiner riskieren wollen. Natürlich vermag niemand vorherzusehen, welche modernen Behandlungsverfahren in Zukunft noch entwickelt werden: Heutzutage jedenfalls kann das Glaukom durch die Dauerbehandlung gestoppt, aber nicht geheilt werden.

Mein Augenarzt hat kostenpflichtige weiterführende Untersuchung empfohlen (Verlaufskontrolle mit Hilfe von Papillenfotografie, optische Pachymetrie, HRT, GDx, OCT). Ist das notwendig oder sinnvoll?

Ja. Moderne Diagnostik ist für den Patienten sehr wertvoll. Da die genannten Untersuchungen zum Beispiel einmal im Jahr benötigt werden (je nach Sachlage auch öfter oder seltener), halten sich auch die Kosten in Grenzen. Zum Verständnis dieser Kosten für Versicherte der Gesetzlichen Krankenkasse: Die Regierung hat durch eine Kommission ("Gemeinsamer Bundesausschuss") festlegen lassen, dass die genannten Leistungen von der Gesetzlichen Krankenkasse nicht getragen werden sollen. Die Regierung sagt damit nicht, dass diese ärztlichen Leistungen unnötig seien; die Regierung will vielmehr eine finanzielle Eigenbeteiligung der Betroffenen erreichen. Mehr zu diesen modernen Untersuchungsverfahren lesen Sie bitte auf der Seite "OCT"

Ich habe meine Augentropfen zur Behandlung des Glaukoms nicht vertragen. Was soll ich tun?

Örtliche Beschwerden am Auge, wie Jucken, Brennen, Rötung können auf eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe der Augentropfen hinweisen. Bitte Fragen Sie Ihren Augenarzt. Gehen Sie in die Sprechstunde und zeigen Sie das gereizte Auge und die betreffenden Tropfen vor. Vielleicht muss der verwendete Augentropfen gegen eine anderes Präparat ausgetauscht werden. - Kreislaufbeschwerden sollten Sie in Zusammenarbeit zwischen Hausarzt oder Internist und Augenarzt klären. Enthält Ihr Augentropfen Betablocker? Dann berichten Sie davon Ihrem Hausarzt/Internisten. - Schlechter Geschmack im Mund nach dem Einträufeln der Augentropfen? Lassen Sie sich von Ihrem Augenarzt zeigen, wie man den Tränenabfluss in Richtung Nase durch Zuhalten der Tränenpünktchen verhindern kann. Die Geschmacksstörung sollte dann nicht mehr auftreten. - Haben Sie eine Allergie gegen Konservierungsmittel? Sprechen Sie darüber mit Ihrem Augenarzt. Es gibt von vielen antiglaukomatös wirksamen Augentropfen bereits Darreichungsformen ohne Konservierungsmittel. Diese sind zwar oftmals wesentlich teurer, sind aber in Fällen nachgewiesener Allergie gegen Konservierungsmittel notwendig.

Wenn ich augeninnendrucksenkende Augentropfen nicht vertrage, kommt dann ein augeninnendrucksenkender operativer Eingriff infrage?

Eventuell ja. Das LTP-Verfahren (Argonlasertrabekuloplastik) ist ein solcher Eingriff, welcher sich durch sehr niedrige Risiken auszeichnet. Meine persönliche Erfahrung mit dieser LTP-Behandlung, welche ich auch in eigener Praxis durchführe, bestätigt, was man in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen erfährt: Mit etwas Glück kommt ein Patient, der ohne Therapie einen leicht erhöhten Augeninnendruck hatte, nach der LTP-Therapie gänzlich ohne drucksenkende Augentropfen aus. In vielen weiteren Fällen erreicht man dank des LTP-Verfahrens in Kombination mit drucksenkenden Augentropfen niedrigere Augeninnendruckwerte als mit den Tropfen alleine.

Ich habe seit vielen Jahren Glaukom und werde seitdem mit Augentropfen behandelt. Werde ich eines Tages blind?

Voraussichtlich nein, wenn das Glaukom rechtzeitig erkannt wurde, frühzeitig behandelt wurde, die Behandlung wirksam ist und die Behandlung über Jahre konsequent lückenlos durchgeführt wurde. Zur Behandlung gehört nicht nur, dass man als Patient die Tropfen zuverlässig einträufeln muss. Zwingend nötig sind auch die Verlaufskontrollen beim Augenarzt einschließlich regelmäßiger Kontrolle des Augeninnendrucks unter laufender Therapie, Kontrolle der Gesichtsfelder und Kontrolle des Sehnervenkopfes (Untersuchung mittels Augenspiegel und Mikroskop, sowie Papillenfotografie und OCT). Die Kontrolle ist nötig, um rechtzeitig zu erkennen, wenn die Therapie nicht oder nicht mehr ausreichend wirkt. Gelingt es nicht, das Glaukom mit Augentropfen und LTP-Verfahren zu stoppen, wird eine drucksenkende Operation angestrebt.

Bekomme ich eher ein Glaukom, weil ich Diabetiker bin?

Das Glaukom ist bei Diabetikern ähnlich häufig wie bei Nicht-Diabetikern, kann aber beim Diabetes vielleicht etwas schlimmer verlaufen, wenn es unbehandelt bleibt. In ganz seltenen Fällen, bei einem durch den Diabetes bereits schwergradig geschädigten Auge (mit Diabetischer Retinopathie und Rubeosis Iridis), kann das Glaukom durch den Diabetes verursacht werden. In der Regel wird dieses Stadium jedoch heute durch entsprechend wirksame antidiabetische und augenheilkundliche Therpie vermieden, und so gilt: Es empfiehlt sich für den Diabetiker wie beim Nicht-Diabetiker, die empfohlene Früherkennungsuntersuchung des Glaukoms durchführen zu lassen. Gehen Sie zu Ihrem Augenarzt. Dieser wird Sie zudem auch noch mit erweiterter Pupille auf Frühzeichen der Diabetischen Netzhautkrankheit untersuchen. Letztgenannte Untersuchung ist zusätzlich, mindestens einmal jährlich erforderlich. Dazu bekommen Sie in der Praxis Augentropfen eingeträufelt, welche die Pupillen erweitern. Man kann danach für einige Stunden nicht gut lesen und nicht autofahren, bis sich die Pupillen von alleine wieder normalisiert haben.

Bekomme ich eher ein Glaukom, weil ich Kurzsichtig bin?

Das statistische Risiko scheint etwas höher zu sein. Es empfiehlt sich daher, wie empfohlen die Vorsorgeuntersuchung zur Früherkennung des Glaukoms regelmäßig wahrzunehmen. Gehen Sie vorsorglich zu Ihrem Augenarzt und lassen Sie sich nicht nur auf Glaukom hin untersuchen, sondern zusätzlich auch, mit erweiterter Pupille, auf Frühzeichen der Netzhautablösung. Denn die Untersuchung auf Netzhautablösung ist beim Menschen mit Kurzsichtigkeit wichtig.

Bekomme ich eher ein Glaukom, weil ich direkt Verwandte mit Glaukom habe?

Das statistische Risiko erhöht sich ein wenig. Dennoch gilt: Die meisten direkten Verwandten von Glaukomkranken erkranken nicht am Glaukom. Ansonsten wird durch die Glaukomfrüherkennungsuntersuchung rechtzeitig entdeckt, wenn ein Glaukom auftritt. Man sollte sie jährlich durchführen lassen und den Augenarzt auf die familiäre Situation aufmerksam machen. Wichtig ist, dass jeder weiß, dass das Glaukom typischerweise eine sporadisch, zufällig auf die Bevölkerung verteilte Erkrankung ist, und keine Erbkrankheit. 

Bekomme ich eher ein Glaukom, weil ich Kortison (Steroide) einnehmen muss?

Vielleicht ja. Ein nennenswerter Prozentsatz derjenigen Patienten, die auf Dauer Kortison als Medikament erhalten, entwickelt ein Glaukom. Deswegen müssen die Augen ganz regelmäßig auf Glaukom hin untersucht werden. Das Risiko ist vergleichsweise hoch; manche Forscher sprechen davon, dass jeder vierte Kortison einnehmende Patient ein Glaukom entwickelt. Meine persönliche Meinung ist daher, dass alle Patienten, die - von welchem Arzt auch immer - Kortison-haltige Medikamente verordnet bekommen, sich augenärztlich untersuchen lassen sollen.

Mein Arzt hat mir empfohlen, dass ich eine Glaukom-Operation durchführen lasse. Gibt es Komplikationen?

Wir unterscheiden zwischen einerseits den komplikationsarmen LASER-Anwendungen, und andererseits den Glaukomoperationen im engeren Sinne.

Grundsätzlich gilt: Glaukomtherapie mit Tropfen oder mit dem LASER hat Vorrang vor den Glaukomoperationen im engeren Sinne (wenn sie im vorliegenden Einzelfall sinnvoll sind, wird der Augenarzt zuerst die LASER-Eingriffe vorschlagen, bevor er zu den Operationen im engeren Sinne greift).

Die Abwägung, ob ein Eingriff bzw. eine Operation durchgeführt werden sollte oder nicht, wird Ihr Augenarzt sehr sorgfältig vornehmen. Wenn er Ihnen dazu geraten hat, so dürfte nach seiner Einschätzung das Risiko für Ihr Augenlicht ohne Operation höher sein als mit Operation. Häufigkeit und Schweregrad möglicher Komplikationen hängt stark von dem Befund an Ihren Augen und der Art der durchgeführten Operation ab. Bitte fragen Sie Ihren Augenarzt. Es gibt zahlreiche, sehr unterschiedliche operative Methoden, die auch jeweils nur in bestimmten Situationen sinnvoll sind. Deswegen kann man hier nur grob orientierend allgemein antworten. Die Argonlasertrabekuloplastik (LTP-Verfahren) gilt zu Recht als sehr risikoarm, ist aber in der Wirkung begrenzt, und wird beim Offenwinkelglaukom eingesetzt. Die Laseriridotomie ist beim Engwinkelglaukom wirksam und hat relativ wenige Risiken. Noch risikoärmer ist die Lasergonioplastik beim Engwinkelglaukom, die Wirksamkeit kann aber mit der Zeit nachlassen. Die Trabekulektomie ist beim Offenwinkelglaukom sehr wirksam, aber mit deutlich mehr Risiken belastet. Es gibt zahlreiche weitere Operationsformen, die teilweise nur bei bestimmten Glaukomformen sinnvoll sind, so dass Sie besser mit Ihrem Augenarzt sprechen. Recht hoffnungsvoll ist, dass ständig neue Operationsverfahren entwickelt werden, mit dem Ziel, eine wirksame und möglichst schonende OP zur Drucksenkung anbieten zu können, das Stichwort lautet "minimal invasive Glaukom-Chirurgie".

Ich habe den Grünen und den Grauen Star (Glaukom und Katarakt). Muss ich Sorgen haben, wenn der Graue Star (Katarakt) operiert werden soll?

Nein. Im Gegenteil: Darin liegt eine Chance, denn bei vielen Patienten wird der Augeninnendruck nach der Operation ein wenig niedriger liegen als vor der Operation; dies kommt dem Glaukom zugute. Darüber hinaus kann in manchen Fällen eine kombinierte Operation vorgenommen werden, bei der neben der Katarakt-Operation eine zusätzliche augeninnendrucksenkende Operation in gleicher Sitzung am gleichen Auge durchgeführt wird. Natürlich gilt, dass jegliche Operation Risiken birgt. Dass ein Glaukom durch eine Operation des Grauen Stars nennenswert schlimmer geworden ist, ist möglicherweise in Einzelfällen vorgekommen. Man sollte sich also nicht ohne ernsthaften Grund einer Operation unterziehen - aber wer täte das schon. Man sollte sich dadurch aber auch nicht von einer notwendigen Operation abschrecken lassen.

Welcher Augeninnendruck ist bei der Behandlung anzustreben?

Das kann man nicht allgemein beantworten. Grundsätzlich gilt natürlich, je niedriger der Augeninnendruck ist, je näher der durchschnittliche Augeninnendruck bei 12 mm Hg (10 bis 15 mm Hg) liegt, desto besser. Es sollte derjenige Augeninnendruck angestrebt werden, bei dem die Glaukom-Erkrankung bei Ihnen nicht mehr fortschreitet. Dies muss individuell geklärt werden. Die "European Glaucoma Society" sagt, der Zieldruck solle unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Hornhautdickenmessung (Pachymetrie, für Details bitte auf der linken Seite anklicken) festgelegt werden. Ihr Augenarzt wird anhand von Untersuchung und Verlaufskontrolle festlegen, welchen individuellen "Zieldruck" er bei Ihnen anstrebt. Fragen Sie ihn! Er wird auch alle weiteren wichtigen Aspekte berücksichtigen, z.B. wie hoch ist die Lebenserwartung, wie fortgeschritten sind die glaukomatösen Schäden am Auge, wie hoch war der Augeninnendruck vor Therapiebeginn, gibt es andere Risikofaktoren etc.

Welches augeninnendrucksenkende Medikament ist das beste?

Dasjenige, das 1) von Ihren Augen vertragen wird und das zugleich 2) den Augeninnendruck bei Ihnen zuverlässig stark genug senkt, so dass 3) in der OCT kein weiterer fortschreitender Verlust an Nervenfasern mehr sichtbar ist. Dies kann nur der behandelnde Augenarzt feststellen. Es gibt heutzutage erfreulicherweise eine Vielzahl an Möglichkeiten der Therapie. Die verwendeten unterschiedlichen Medikamente nutzen ganz verschiedene Wirkprinzipien, mit denen sie den Augeninnendruck senken. Sollte das eine Medikament bei Ihnen nicht ausreichend wirken, so kann Ihr Augenarzt auf andere Medikamente ausweichen. Es können auch mehrere Medikamente kombiniert werden. Manche Kombinationen gibt es bereits fertig gemischt in einer Augentropfenflasche.

Wie oft ist beim behandelten Glaukom die augenärztliche Kontrolluntersuchung erforderlich?

Faustregel: viermal im Jahr (vierteljährlich) Augeninnendruckmessung und Kontrolle des Sehnervenkopfes mittels Augenspiegel. Ein- bis zweimal im Jahr eine Gesichtsfelduntersuchung pro Auge, an beiden Augen, wobei üblicherweise pro Behandlungstermin nur an einem Auge ein Gesichtsfeld untersucht wird (also ein bis vier Gesichtsfeld-Termine pro Jahr). In Einzelfällen wird die Gesichtsfelduntersuchung seltener nötig sein. Davon abweichend werden bei gefährlichen Situationen mit entgleistem Augeninnendruck sehr viel häufigere Kontrollen erforderlich sein, notfalls täglich; im Extremfall erfolgt eine Krankenhauseinweisung. Andererseits sind bestimmte weiterführende Untersuchungen (z.B. Papillenfotografie, Pachymetrie, OCT) in der Regel deutlich seltener als vierteljährlich erforderlich. Fazit: Typischerweise beim gut regulierten Glaukom ein ausführlicher Termin pro Vierteljahr.

Interessanter Link: Den Initiativkreis zur Glaukom-Früherkennung e.V. finden Sie unter www.glaukom.de

Dieser Verein unterhält auch eine Telefon-Hotline zum Thema Glaukom. Diese erreichen Sie Montags von 16-18 Uhr unter 0800 800 88 80. Oder schreiben Sie an: Initiativkreis zur Glaukom-Früherkennung e.V., Postfach 1340, D-40638 Meerbusch.

Bitte beachten Sie: Für Inhalte fremder Webseiten übernimmt die Praxis Dr. Niepel keine Verantwortung.

Warum wird mir die Glaukom-Früherkennung unaufgefordert angeboten, wenn ich meinen Augenarzt aufsuche?

Das Glaukom (der Grüne Star) verursacht beim Betroffenen keine Beschwerden. Ohne gezielte Suche nach dem Glaukom bei jedem Patienten, der die Praxis aufsucht, bliebe die Erkrankung in der Regel unentdeckt. Daher wird jeder Patient auf die Glaukomfrüherkennung aufmerksam gemacht. Die europäischen Richtlinien empfehlen, dass jeder Patient, der die Augenarzt-Praxis aufsucht, auf Glaukom hin untersucht werden soll. Dies stellt sicher, dass Sie, wenn Sie sich bei Ihrem Augenarzt in Behandlung begeben, davor geschützt sind, dass der tückische "Grüne Star" unentdeckt bleibt. Und letztendlich werden Sie vor einem möglichen Verlust an Sehkraft bzw. einer potentiellen Erblindungsgefahr geschützt. Deswegen ist es für einen Augenarzt selbstverständlich, dass er die Glaukomfrüherkennung grundsätzlich in jedem Behandlungsfall anbietet und durchführt. - Das Oberlandesgericht Hamm schrieb schon 1976 in einem viel beachteten Grundsatzurteil sinngemäß: Wegen der Gefährlichkeit der Glaukomerkrankung gehört die Glaukom-Früherkennung zur augenärztlichen Routine-Untersuchung, gleichgültig, warum der Patient die augenärztliche Praxis aufsucht, zumal die Untersuchung ein Minimum an Geld und Zeit erfordert. - Als die Glaukom-Früherkennungsuntersuchung, die ja in vielen Fällen eine Selbstzahlerleistung ist, von der Zeitschrift "Focus" bewertet wurde, bekam sie dort einen grünen Punkt (was so viel bedeutet wie empfehlenswert). - Auch die Stiftung Warentest äußerte sich in einem 2008 erschienen Artikel positiv zu der von Augenärzten durchgeführten Glaukom-Früherkennungsuntersuchung.
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft schreibt in einer Stellungnahme: "...empfiehlt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft weiterhin ein Glaukomscreening entsprechend der Leitlinie Nr. 15c. Insbesondere soll dadurch die Zahl der unerkannten Glaukome reduziert werden, die derzeit auf 50% geschätzt wird..."

Was kann der Augenarzt bei der Glaukomfrüherkennung feststellen?

Entweder sind Sie sicher gesund, dann wird dies durch die Untersuchung festgestellt. Oder aber es liegt ein Zweifelsfall vor; hier sind weitere Untersuchungen, eventuell auch Verlaufskontrollen erforderlich. Oder es liegen erhebliche Riskofaktoren für die Entstehung eines Glaukomschadens der Augen vor, so dass eine prophylaktische augeninnendrucksenkende Therapie empfehlenswert ist, mit dem Ziel, eine solche Schädigung in Zukunft zu verhindern. Oder aber Sie sind tatsächlich - bisher unbemerkt - am Glaukom erkrankt und es sind schon Zeichen der krankhaft glaukomatösen Schädigung der Augen vorhanden, dann wird eine frühzeitig eingeleitete Therapie die Krankheit wirksam stoppen.

Wie belastend ist die Glaukom-Früherkennungsuntersuchung?

Die Belastung des Patienten durch die Früherkennung ist denkbar gering. Es wird der Augeninnendruck gemessen, ein Vorgang, der in unserer Praxis ausschließlich mit Hilfe moderner, regelmäßig kalibrierter Apparaturen und ausschließlich von ärztlicher Hand durchgeführt wird. So ist die Messung in Sekunden erledigt und birgt - bei einer hohen Genauigkeit aufgrund fachärztlicher Durchführung und Kontrolle - keine Nachteile für Sie. Der Sehnervencheck ist ebenso wenig belastend. Sie blicken geradeaus, während der Augenarzt Ihren Sehnervenkopf mit Hilfe eines speziellen Mikroskops betrachtet. Patienten fragen oft, ob sie nach der Untersuchung Auto fahren dürfen: Selbstverständlich Ja.

Hat die Glaukomfrüherkennungsuntersuchung Risiken oder Nebenwirkungen?

Nein. In der Hand des Augenarztes grundsätzlich nicht.

Natürlich kann ein sensibler Mensch erschreckt reagieren, wenn er von einer Bedrohung durch ein Risiko oder eine bisher unerkannte Erkrankung erfährt. Im Vordergrund steht aber die tröstende Erekenntnis, dass mit der Aufdeckung der Erkrankung (die zuvor im Verborgenen vorhanden war) eine Chance zum Handeln gewonnen wurde.
Natürlich ist es möglich, dass Befunde entdeckt werden, welche eine eingreifendere Untersuchungstechnik erforderlich machen. Das wird dann aber im Einzelfall besprochen.

Kann nur in der Augenarztpraxis der Augeninnendruck gemessen werden?

Nur der Augenarzt kann den gemessenen Augeninnendruck richtig bewerten. Außerdem kann die Genauigkeit der Augeninnendruckmessung erheblich darunter leiden, wenn die Messung nicht durch eine Ärztin oder einen Arzt persönlich durchgeführt wird. Jeder kann sich vorstellen, welche Probleme von einer laienhaft durchgeführten, fehlerhaften Messung ausgehen können. Der Augenarzt verfügt daher stets über mehrere unabhängig voneinander arbeitende, (und natürlich der messtechnischen Kontrolle unterzogene) Messgeräte zur Messung des Augeninnendrucks. Mehrfachmessungen, insbesondere auch mit unterschiedlichen Messverfahren, werden angewandt, um die Genauigkeit zu erhöhen. Eine akkurate Augeninnendruckmessung, die diese Bezeichnung verdient, ist in der beschriebenen Weise nur bei einem Augenarzt in dessen Praxis möglich. Die Forschung ist übrigens kontinuierlich mit der Verbesserung der Messgenauigkeit bei der Augeninnendruckmessung beschäftigt. Neue Messverfahren sind in der Entwicklung. Auch bei dieser Forschung zeigt sich, dass die Augeninnendruckmessung in die Hand eines Augenarztes gehört. Es reicht nicht aus, ein Messgerät für den Augeninnendruck nur zu besitzen, man muss auch alle Fallstricke bei dem Messvorgang an sich kennen. Der Augenarzt ist dazu in der Lage, denn der Augenarzt hat die dafür notwendige fachärztliche Ausbildung und die nötige Erfahrung. Deswegen hat in Deutschland nur der Augenarzt die Berechtigung, die Messergebnisse der Augeninnendruckmessung zu interpretieren. Jeder wird verstehen, dass dies im Interesse der Sicherheit der Patienten so geregelt ist. Die Sicherheit der Patienten ist oberstes Ziel.

Reicht zur Früherkennung eine Augeninnendruckmessung nicht aus?

Nein. Auch wenn die akkurate Augeninnendruckmessung enorm wichtig ist: sie alleine ist absolut nicht ausreichend; hierin sind sich Augenärzte und alle mit dem Thema befassten Institutionen des Staates und der Krankenkassen ausnahmsweise einmal einig. Ihr Augenarzt weiß: Mindestens ebenso wichtig ist die Untersuchung auf typische Zeichen des Glaukoms durch mikroskopische Untersuchung des Auges. Dazu gehört die Untersuchung des Sehnerven. Bei dem sogenannten Sehnervencheck betrachtet der Augenarzt mit dem Augenspiegel und dem Mikroskop Ihren Sehnervenkopf im Detail und bewertet die dabei erhobenen Befunde nach bestimmten Kriterien. Als Patient legen Sie dafür lediglich Ihr Kinn auf eine Kinnstütze und blicken geradeaus. Auch diese Untersuchung belastet Sie nicht und ist in wenigen Minuten durchgeführt. Es kann nicht genügend betont werden, dass bei der Früherkennung des Glaukoms (des Grünen Stars) die Beschränkung auf nur einen Aspekt alleine (zum Beispiel ausschließliche Messung des Augeninnendrucks) in keinem Fall ausreichend sein kann. Auch hierzu eine Zahl aus der Statistik: Viele Menschen glauben irrtümlich, man könne sicher sein, kein Glaukom zu haben, wenn der Augeninnendruck 20 oder niedriger ist. Aber das ist falsch, denn ca. ein Drittel aller am Glaukom Erkrankten hat einen Augeninnendruck von unter 21! Diese Kranken bleiben unentdeckt und unbehandelt, wenn man bei ausschließlicher Messung des Augeninnendruckes fälschlich davon ausgeht, ein Innendruckwert von 20 oder niedriger zeige sicher an, dass man gesund sei.

Kann ich mich selbst auf Grünen Star hin untersuchen?

Leider: Überwiegend nein. Es gibt bisher keine breit anwendbare Methode der Selbstuntersuchung auf Grünen Star, die wirklich sicher und zuverlässig funktionieren würde. Geräte zur Selbstmessung des Augeninnendrucks sind auf dem Markt; teils sind sie mit gewissen Gefahren verbunden, teils zeichnen sie sich durch ungenaue Messung aus. In Einzelfällen kann man solche selbst durchgeführten Augeninnendruckmessungen eine zeitlang oder für spezielle Situationen empfehlen.

Kann ich den erhöhten Augeninnendruck selber spüren?

Leider: Nein. Im Gegenteil. Ein Auge mit bereits deutlich erhöhtem Augeninnendruck fühlt sich für den Betroffenen völlig normal an. Der Betroffene verspürt keinelei Druckgefühl oder ähnliches. (Erst dann, wenn der Augeninnendruck derartig hoch ist (60 bis 70 mm Hg), dass unmittelbare Gefahr für das Auge besteht, könnte es sein, dass der aufmerksame Patient unter gewissen Umständen feine farbige Schleier um Lichtquellen sieht - dass ist aber die ganz, ganz seltene Ausnahme und wäre alarmierend, wenn es zutrifft. Der schleichende Verlauf mit Augeninnendruckwerten bei ca. 25 bis 30 ist typisch, und dieser Verlauf bleibt gänzlich ohne Symptome.)

Kann ich meinen Augeninnendruck durch Abtasten des Auges selber feststellen?

Eindeutig: Nein. Es gibt immer wieder Menschen, die irrtümlich meinen, dass sie das können. Vergleicht man dann deren Einschätzung mit den tatsächlichen Augeninnendruck-Messwerten, dann wird deutlich, dass das Abtasten des eigenen Auges eine völlig ungeeignete Methode zur Feststellung des Augeninnendrucks ist.

Kann allein aufgrund des Augeninnendruckes zwischen "krank" und "gesund" unterschieden werden?

Generell: Nein. Es gibt durch die alleinige Augeninnendruckmessung leider keine ausreichende Trennschärfe zwischen "krank" und "gesund". Natürlich gibt es einen Grenzwert (er wurde statistisch ermittelt und liegt bei 21 mm Hg), und Patienten mit einem Augeninnendruck unter 21 mm Hg glauben deswegen manchmal irrtümlich, es sei sicher, dass sie gesund seien. Aber leider gibt es Betroffene, die auch bei einem Augeninnendruck von unter 21 mm Hg am Grünen Star erkranken, also bei einem "normalen" Augeninnendruck krank werden. Andererseits ist mindestens ebenso wichtig: Einige von den Menschen, bei denen einmal ein erhöhter Augeninnendruck von über 21 mm Hg gemessen wurde, werden auch innerhalb der nächsten Jahre nicht am Grünen Star erkranken. Zur Entscheidung, ob ein bestimmter Mensch am Grünen Star erkrankt ist oder nicht, benötigt man daher viel mehr als nur den Messwert des Augeninnendruckes.

"Mein Augeninnendruck ist normal, also kann ich keinen Grünen Star haben, oder?"

Leider falsch! Es gibt das sogenannte Normaldruckglaukom. Es handelt sich um eine spezielle Form des Grünen Stars, bei der ausschließlich normale Augeninnendruckwerte gemessen werden. Das Normaldruckglaukom verläuft ähnlich schwergradig wie das typische, mit hohem Augeninnendruck einhergehende Glaukom. Man schätzt, dass ca. 20% der Glaukomkranken unter dem Normaldruckglaukom leiden. Die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich noch höher.

Wenn der Augeninnendruck alleine keine sichere Aussagekraft hat, woran erkennt der Augenarzt dann das Glaukom?

Durch weitere gezielte Untersuchungen. Hier setzt, vereinfacht gesagt, der Sehnervencheck ein: Der Augenarzt klärt durch seine Untersuchung, ob der Sehnerv gesund ist, oder ob der Sehnerv durch den Grünen Star bereits geschädigt worden ist. So werden einerseits diejenigen Patienten als krank erkannt, bei denen ein Grüner Star ohne erhöhten Augeninnendruck besteht. Andererseits wird auch geklärt, ob derjenige, bei dem ein erhöhter Augeninnendruck gefunden wurde, überhaupt bereits erkrankt ist oder nicht. Natürlich wird der Augenarzt nach weiteren Zeichen des Glaukoms suchen, wie etwa Pseudoexfoliation, Pigmentdispersion, Kammerwinkelveränderungen usw., von denen hier aber nicht weiter berichtet werden soll, um die Darstellung nicht unnötig kompliziert werden zu lassen. Soviel sei jedoch erläutert: Wenn erhebliche Risiken der zukünftigen Entstehung glaukombedingter Schädigung der Augen bestehen, dann ist vorbeugend eine (drucksenkende) Glaukomtherapie sinnvoll, um das Entstehen von glaukombedingten Schäden in den Folgejahren zu verhindern; und das auch dann, wenn bisher noch kein Schaden vorliegt, sondern lediglich erhebliche Risiken wie beispielsweise ein wiederholt gemessener erhöhter Augeninnendruck.

Ich bin jünger als 40 Jahre. Kann ich dann überhaupt am Grünen Star erkranken?

Grundsätzlich leider Ja. Tatsächlich steigt das Risiko, am Glaukom zu erkranken, mit dem Lebensalter an. Deswegen gilt es als zwingend, dass Augenärzte die Menschen, die über 40 Jahre alt sind, auf Glaukom hin untersuchen. Dies bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene immer vom Glaukom verschont bleiben. Es gibt nämlich auch unter jüngeren Menschen gelegentlich das Glaukom. Ein bestimmter Typ des Glaukoms, das sogenannte Juvenile Glaukom, kommt bevorzugt im zweiten, dritten und vierten Lebensjahrzehnt vor und kann leider schon in jungen Jahren schwere Beeinträchtigungen des Sehvermögens hervorrufen; wird die Erkrankung nicht erkannt, sind Fälle von Erblindung möglich. Sogar Neugeborene und Kleinkinder können vom Glaukom betroffen sein; dies alles ist aber selten.

Können Kinder vom Glaukom betroffen sein?

Leider: ja, aber das kindliche Glaukom ist selten. Von allen Glaukomerkrankungen machen die kindlichen Glaukome etwa ein bis fünf Prozent aus. Beim sogenannten "kongenitalen Glaukom" liegt die Erkrankung bereits bei der Geburt vor, weitere Erkrankungsfälle treten im ersten Lebensjahr in Erscheinung. Diese Säuglinge weisen an den Augen allerdings von außen sichtbare charakteristische Symptome auf, wie Augentränen, Hornhauttrübung, Vergrößerung der Hornhaut und Lichtscheu, und deswegen wird die Glaukom-Erkrankung im Säuglingsalter von den betreuenden Ärzten an diesen Krankheitszeichen in aller Regel schnell erkannt (Dies ist bei Jugendlichen und Erwachsenen ganz anders! Siehe unten). Die Therapie bei Kindern ist übrigens in aller Regel augen-chirurgisch. Folglich unterscheidet sich das kindliche Glaukom unmittelbar nach der Geburt und im ersten Lebensjahr deutlich von den Glaukomformen der älteren Kinder und Erwachsenen: Es gibt von außen gut sichtbare Krankheitszeichen; solche Symptome fehlen hingegen beim juvenilen Glaukom und auch beim Glaukom im Erwachsenenalter in der Regel vollständig. Das "juvenile Glaukom" wird dem Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter zugeordnet, und hier ist eher der schleichende, unbemerkte Verlauf typisch. Die Glaukom-Früherkennungsuntersuchung bei älteren Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zielt darauf ab, das juvenile Glaukom frühzeitig zu erkennen.

Ist der Grüne Star nicht sowieso sehr selten?

Nein, im Gegenteil: der Grüne Star ist vergleichsweise häufig. Von den Sechzigjährigen sind etwa 5% betroffen, von den Achzigjährigen ca. 8%; im Durchschnitt aller Altersklassen sind immerhin rund 3% der Bevölkerung vom Glaukom betroffen. Dies ist eine erhebliche Zahl. Bei einer mittleren Kleinstadt von 60.000 Einwohnern müssen wir mit rund 1800 ernsthaft am Glaukom erkrankten Menschen rechnen. Dies ist eine ähnliche Größenordnung wie bei anderen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes. Allerdings ist bei den beiden letztgenannten Krankheiten das Bewußtsein der Bevölkerung erheblich mehr geschärft.

Ich müsste doch merken, wenn ich eine derartig schwerwiegende Krankheit am Auge hätte...

Das ist leider falsch. Die Erkrankung "Grüner Star" verläuft praktisch immer vom Patienten völlig unbemerkt. So passiert es immer wieder, dass Erkrankte selbst in einem Stadium kurz vor der Erblindung nicht bemerken, dass sie erkrankt sind. Man kann also tatsächlich bereits in erheblich fortgeschrittenem Stadium am Glaukom erkrankt sein, ohne auch nur davon zu ahnen. Patienten, die nach einem jahrelangen unbemerkten Krankheitsverlauf ohne Behandlung schließlich am Grünen Star erblindet waren, erklärten ihre schier grenzenlose Überraschung, dass sie offenbar schon lange Zeit unbemerkt erkrankt waren. "Ich dachte: Was soll ich beim Augenarzt, ich hatte doch keine Beschwerden mit den Augen!" Daraus ergibt sich das Fazit: Gehen Sie zur Vorsorge zu Ihrem Augenarzt!

Ein Sehtest müsste doch aufzeigen, wenn etwas nicht in Ordnung wäre...

Stimmt leider nicht! Ein alleiniger Sehtest ermöglicht keine Entdeckung des Glaukoms, auch nicht im fortgeschrittenen Stadium. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang sind Berichte von Patienten, die am Glaukom erblindet sind. Diese beobachteten nämlich, dass sie noch am Tag vor der Erblindung anscheindend eine völlig normale Sehschärfe hatten, da sie Zeitung lesen konnten, Bildunterschriften im Fernsehen lesen konnten oder beispielsweise feine Stick- und Näharbeiten durchführen konnten. Nur diese eine Schlussfolgerung ist möglich: Es wäre unverantwortlich, ausschließlich auf der Basis eines einfachen Sehtests die Aussage treffen zu wollen "Die Augen sind in Ordnung". Wer also anläßlich eines "Sehtests für den Führerschein" bei einer amtlichen Sehteststelle (Optiker, TÜV etc.) oder bei einer betriebsärztlichen Untersuchung mit einem Sehtestgerät eine volle Sehschärfe bescheinigt bekommt, der weiß dennoch überhaupt nichts Genaues über den Gesundheitszustand seiner Augen (Die Leistungsfähigkeit der Augen wird geprüft, aber nicht der Gesundheitszustand). Was beim reinen Sehtest fehlt: Untersuchung des Sehnerven (Sehnervencheck), akkurate (!) Augeninnendruckmessung, Untersuchung von Kammerwinkel, Gesichtsfeld, Vorderabschnitt sowie Augenhintergrund. Also: Gehen Sie zur Vorsorge von Augenkrankheiten auch dann zu Ihrem Augenarzt, wenn Sie denken, Sie wären gesund.

Müsste dann nicht die Gesetzliche Krankenkasse die Vorsorgeuntersuchung auf Glaukom bezahlen, wenn diese doch so wichtig ist?

Die Regierung hat festgestellt bzw. durch den Gemeinsamen Bundesausschuss feststellen lassen, dass der Augenarzt auf die Wichtigkeit der Glaukom-Vorsorge hinweisen muss und die Untersuchung zur Früherkennung des Glaukoms ausführen soll, während die Kosten dafür aber vom Patienten bezahlt werden sollen. Diese Entscheidung ist so zu verstehen, dass die Regierung wünscht, dass bei dieser sinnvollen Früherkennungsuntersuchung die Patienten mit einer Eigenbeteiligung einen Beitrag für ihre Gesundheit erbringen.

Zwischenzeitlich gab es gesetzliche Krankenkassen, welche ihre Versicherten darin bestärkten, die Glaukomfrüherkennungsuntersuchung beim Augenarzt durchführen zu lassen. Für die kostenpflichtige Untersuchung "Glaukomvorsorge" konnte sich der Patient zum Beispiel einen Stempel in das Bonusheft machen lassen und erielt dafür von seiner Krankenkasse eine Vergünstigung. Das ist offenbar aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wieder eingestellt worden.

In einem Call-Center hat man mir von Selbstzahlerleistungen im Zusammenhang mit der Glaukomfrüherkennung abgeraten. Was ist davon zu halten?

Solche Äußerungen können beim Facharzt leicht den Eindruck erwecken, dass dort jemand nicht angemessen informiert ist. Fragen Sie Ihren Augenarzt, was in Ihrem persönlichen Fall nötig ist, und was verzichtbar ist, denn der entscheidet darüber aufgrund profunder Kenntnis der Sachlage.

Wenn das Glaukom doch eine solch tückische Erkrankung ist, warum hört und liest man dann nie davon?

Und warum gibt es kaum eine gesundheitsthemenbezogene Schulbildung? Und warum gibt es so gut wie keine Radio- und Fernsehsendungen, die solches Wissen vermitteln? Und warum vermitteln die Krankenkassen in ihren Mitgliedsblättern nicht ausreichend die den heutigen Wissensstand wiederspiegelnden Informationen?

Die vielleicht dazu "passende" Antwort stammt von einer ehemaligen Bundesgesundheitsministerin, die es so formulierte (Zitat):

"Die Eigenverantwortlichkeit der Patienten soll gestärkt werden."

Aktualisiert: 26.5.2018

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